Gelingende Beziehungen gestalten

Gelingende Beziehungen – ob beruflich oder privat – sind die zentralen Motivatoren für menschliches Handeln. Doch wie kann es gelingen, insbesondere in schwierigen Situationen, im dazu notwendigen Kontakt zu bleiben?

Die Neurobiologie zeigt, dass Menschen schon durch die Funktionsweise ihres Gehirns auf gelingende Beziehungen ausgerichtet, ja gerade angewiesen sind. Körpereigene Belohnungssysteme reagieren darauf mit einer Ausschüttung von Hormonen wie Oxytozin, Dopamin und körpereigene Opioiden. Das mittlerweile recht bekannte Oxytozin ist für Menschen in Führungspositionen besonders interessant. Zum einen wird seine Produktion verstärkt, wenn sich Vertrauen in einer Beziehung entwickelt. Gleichzeitig stabilisiert es diese Beziehung, indem wiederum die Bereitschaft zur Vertrauensentwicklung gesteigert wird.

Gelingende Beziehungen als Treibstoff für Motivation

Studien von Pennebaker (Pennebaker 1990) zeigten, dass ein vertrauensvolles Gespräch die Immunabwehr bis in das zelluläre System stärkt. Die Wirkungen des körpereigenen Belohnungssystems werden als subjektives Wohlergehen erlebt und gleichzeitig fördern sie die körperliche und mentale Gesundheit. Neben den gesundheitsfördernden Aspekten sind gelingende Beziehungen der Treibstoff für unsere internen Motivationssysteme. Diese sind nach Bauer (2006) darauf angewiesen, dass ein Interesse, eine soziale Anerkennung, eine persönliche Wertschätzung ausgedrückt wird. Störungen in den Beziehungen deaktivieren diese Motivationssysteme und lösen biologische Stresssysteme aus. Die Folge sind Motivationsverlust, Herz-Kreislaufstörungen, depressive Störungen und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Auch im Motivationsspektrum von Susan Fowler haben Beziehungen eine zentrale Bedeutung für Motivation.

Gelingende Beziehungen als Wettbewerbsfaktor

Gelingende Beziehungen fördern also Gesundheit, Motivation, Kreativität und helfen somit auch bei der Konfliktprävention. Für Unternehmen sind gelingende Beziehungen daher sowohl nach innen wie gegenüber externen Umwelten ein immenser Erfolgsfaktor.

Aber Achtung: gelingende Beziehungen können nicht mechanisch hergestellt, implementiert werden, etwa durch Betriebsfeiern, Events, mehr Mitarbeitergespräche, etc.. Beziehungen sind nicht nur Interaktionen zwischen den Beteiligten, sondern spielen sich im Gehirn ab. Ich kann bei einem anderen nicht das Erleben einer gelingenden Beziehung im Gehirn einpflanzen. Es gibt zwar Faktoren, Haltungen und Techniken, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich gelingende Beziehungen entwickeln. Diese sind jedoch nur ein Rahmen, wie ein Gebäude, in dem dann unterschiedliche Aktivitäten stattfinden können. Ob und wie sie dann mit Leben gefüllt werden, entscheiden die jeweils Beteiligten.

Fünf Faktoren für gelingende Beziehungen

Hilfreich für die Entwicklung dieses Rahmens, dieses Gebäudes für gelingende Beziehungen sind nach Bauer (2006) die folgenden fünf Faktoren:

  • Den Anderen wahrnehmen und selbst wahrgenommen werden.
  • Gemeinsame Aufmerksamkeit gegenüber etwas Drittem (Überwinden einer Krise, Erziehung von Kindern, Gestaltung der Unternehmenskultur, neues Projekt ….), die sog. „joint attention“.
  • Emotionale Resonanz.
  • Gemeinsames Handeln.
  • Wechselseitiges Verstehen von Motiven, Absichten, Interessen.

Gelingende Beziehungen zu anderen setzen jedoch voraus, dass ich mit mir selbst im Kontakt bin, mich selbst und meine eigenen Emotionen wahrnehmen kann und mir über meine eigenen Motive, Absichten und Interessen im Klaren bin. Mit diesem „Selbst-Verständnis“ kann ich mich dann auch Anderen zuwenden, in emotionale Resonanz gehen und deren Interessen verstehen.